Johann Heinrich Schönfeld »Ruhender Flussgott«, 1629, Feder in Braun, graublau laviert, Staatsgalerie Stuttgart
Die Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart verfügt über den weltweit größten Bestand an Zeichnungen Schönfelds und seiner Werkstatt. Dadurch ist es möglich, Schönfelds künstlerische Entwicklung an eigenhändigen Zeichnungen aufzuzeigen: von seinen Anfängen als Malerlehrling und Geselle in Stuttgart bis hin zu seinem Spätwerk. Die meisten Zeichnungen hat Schönfeld für den eigenen Gebrauch geschaffen, um Bildkompositionen für Gemälde vorzubereiten und die häufig dramatischen Bewegungen seiner Hauptfiguren herauszuarbeiten.
Johann Heinrich Schönfeld »Diana«, 1626, Feder in Schwarz und Braun, Staatsgalerie Stuttgart
Johann Heinrich Schönfeld, Stecher: Gabriel Ehinger »Saul spricht mit Samuels Geist bei der Hexe von Endor«, um 1670, Feder und Pinsel in Blaugrau auf dem Probedruck eines angefangenen Kupferstichs, Staatsgalerie Stuttgart
Eine Besonderheit ist bisher kaum bekannt: Schönfeld konnte nur mit dem rechten Auge sehen und mit der linken Hand arbeiten. Nur auf Zeichnungen sind Merkmale seiner Linkshändigkeit zu erkennen: so die nach rechts perfekter als nach links gezogenen Bögen, und die Richtung der Schraffuren von links nach rechts abfallend.
Nach seiner Rückkehr aus Italien ließ sich Schönfeld 1652 in Augsburg nieder. Von dort aus belieferte der Künstler Kirchen und prominente Auftraggeber mit Gemälden. Augsburg war seit langem auch ein bedeutendes Zentrum der Druckgraphikproduktion. Schönfeld schuf selbst Radierungen. Zur Verbreitung seiner Gemälde arbeitete er mit besonders qualifizierten Kupferstechern und Radierern zusammen. Einen detaillierten Einblick in diesen Arbeitsprozess bieten die Probedrucke, die der Meister selbst mit Pinsel und Feder überarbeitet hat, so z. B. der einzigartige Probedruck des Kupferstichs »Saul und die Hexe von Endor« mit seinen unheimlichen Lichteffekten. Er stammt von Schönfelds Mitarbeiter Gabriel Ehinger, wurde aber vom Meister eigenhändig korrigiert und ergänzt. Das Blatt schildert eine makabre Szene aus dem Alten Testament (1. Samuel 28,4-25): Im Krieg gegen die Philister schleicht sich Saul, der König der Israeliter, zu einer Zauberin, die Tote beschwören kann. Er verlangt, dass sie den verstorbenen Richter Samuel anruft, damit dieser ihm verrate, was er tun soll, um die Philister zu besiegen.
Zum 400. Geburtstag Johann Heinrich Schönfelds zeigte das Zeppelin Museum Friedrichshafen zahlreiche Gemälde in der Ausstellung »Johann Heinrich Schönfeld – Welt der Götter, Heiligen und Heldenmythen«, 16. Oktober 2009 – 07. Februar 2010. Zu den Ausstellungen in Friedrichshafen und Stuttgart ist ein gemeinsamer Katalog erschienen, der im Museumsshop für 39,90 Euro erhältlich ist.
Gemälde Schönfelds finden Sie auch in der Barockgalerie der Staatsgalerie Stuttgart im Schloss Ludwigsburg.
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