Andrea Mantegna und die Druckgraphik

18.10.2008 – 01.02.2009

Andrea Mantegna (1431-1506), »Kampf der Seegötter« (linke Hälfte), 1470er Jahre, Kupferstich, 32,7 x 43,6 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Andrea Mantegna (1431-1506), »Kampf der Seegötter« (linke Hälfte), 1470er Jahre, Kupferstich, 32,7 x 43,6 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

In der Ausstellung sind die sieben sogenannten »Meisterstiche« zu sehen: »Grablegung Christi«, »Der auferstandene Christus zwischen den hll. Longinus und Andreas«, »Madonna mit Kind«, »Kampf der Seegötter« (linke und rechte Hälfte), »Bacchanal mit dem Weinfass« sowie »Bacchanal mit dem trunkenen Silen«. Diese werden dem Künstler überwiegend als eigenhändige Arbeiten zugeschrieben. Andere äußern die Vermutung, Mantegna habe lediglich die gezeichneten Vorlagen geliefert, die dann von seinen Mitarbeitern umgesetzt wurden. Vor allem die technische und qualitative Perfektion der sieben »Meisterstiche« sprechen weiterhin für eine Zuweisung an Mantegna selbst. Dem für seine Experimentierfreudigkeit bekannten Maler ist es durchaus zuzutrauen, dass er auch im zur damaligen Zeit noch relativ jungen Medium Druckgraphik die Vervielfältigung seiner Zeichnungen – zumindest in sieben Fällen – selbst in die Hand genommen hat. Und vielleicht dienten gerade diese Stiche zur Anleitung der anderen Kupferstecher, die Mantegna engagierte, um nach seinen Zeichnungen in seiner Manier zu stechen. Der Künstler betrieb in Italien die erste Kupferstecherwerkstatt in größerem Stil.

Andrea Andreani (1558/9–1629) nach Andrea Mantegna »Die Elefanten« aus der Folge:»TABVLAE TRIVNPHI CAESARIS« (Der Triumphzug Caesars) 1598/99, Chiaroscuro-Holzschnitt von vier Platten in graubraunen Tönen und Schwarz, 36,6 x 37,2 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Andrea Andreani (1558/9–1629) nach Andrea Mantegna
»Die Elefanten« aus der Folge: »TABVLAE TRIVNPHI CAESARIS« (Der Triumphzug Caesars) 1598/99, Chiaroscuro-Holzschnitt von vier Platten in graubraunen Tönen und Schwarz, 36,6 x 37,2 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Giovanni David (1743–1790) nach Andrea Mantegna, »Martyrium des hl. Jacobus d.Ä.« aus der Folge: »Die Geschichte der hll. Jacobus d. Ä. und Christophorus«,  1776, Radierung (2. Zustand; koloriert), 33,1 x 40,3 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Giovanni David (1743–1790) nach Andrea Mantegna, »Martyrium des hl. Jacobus d.Ä.« aus der Folge: »Die Geschichte der hll. Jacobus d. Ä. und Christophorus«, 1776, Radierung (2. Zustand; koloriert), 33,1 x 40,3 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist die Folge von fünf Radierungen von Giovanni David (1743–1790) mit der »Geschichte der hll. Jacobus d. Ä. und Christophorus« von 1776 nach den Fresken Mantegnas in der Ovetari-Kapelle der Kirche der Eremiten des hl. Augustinus in Padua. Die Kapelle wurde am 11. März 1944 zerstört, erhalten haben sich nur wenige der Fresken, die erst jüngst restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurden. Davids Folge liegt in der Stuttgarter Sammlung in drei Versionen vor: Neben dem ersten in Umrissradierungen und dem zweiten schraffierten Zustand, ist es vor allem ein dritter, von David handkolorierter Zustand, der einzigartig auf der Welt ist. Letzterer entstand für den Auftraggeber der Folge, den genuesischen Grafen Jacopo Durazzo (1717–1794). Aus dessen Sammlung, die am 19. November 1872 bei H. G. Gutekunst in Stuttgart verauktioniert wurde, konnten die Blätter, neben zahlreichen weiteren, vom damaligen Kustos des Königlichen Kupferstichkabinetts Stuttgart, Karl Ludwig Weisser, mit finanzieller Unterstützung durch Königin Olga erworben werden.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalogheft (48 Seiten), das für 9,80 € im Museumsshop erhältlich ist.

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